Erinnern Sie sich noch? „ Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen, sodass er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen. Aber der Esel merkte, dass kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen. Dort, meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden."
Von den Bremer Stadtmusikanten lernen
Wieviel Wahrheit in diesem Märchen doch steckt ist ganz erstaunlich: Die Arbeitgeber, die nicht viel von Fürsorge für ihre (älteren) Belegschaftsmitglieder gehalten zu haben scheinen, sind keine Erfindung der Gebrüder Grimm aus dem Jahr 1820, sondern (traurige) Realität in der deutschen Wirtschaft des Jahres 2008. Das Märchen der „Bremer Stadtmusikanten“ wurde zwar inzwischen vielen Generationen von Kindern erzählt – aber besser wäre es, wenn man es heute den Erwachsenen vorlesen würde, damit Sie Ihre Lehren daraus ziehen könnten. Der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn - alle entlassene „erfahrene Mitarbeiter" ihrer Arbeitgeber - haben nämlich das Beste aus ihrer Arbeitslosigkeit gemacht. Sie haben getan, was Sie unter Umständen für die Zukunft auch in Betracht ziehen sollten: Sie haben sich zusammengeschlossen, um sich Ihren neuen Job selbst zu schaffen...
Der schwach gewordene Arbeiter (verkörpert durch den Esel im Märchen), der bei modernen Verkaufsgesprächen nicht mehr mitkommende Verkäufer (im Märchen der Jagdhund), der Angestellte, der den Betrieb in Ordnung hält (die Katze), und der Wissenschaftler (der Hahn ist im Märchen als Meteorologe beschäftigt) haben ihren Platz in der Arbeitswelt behalten. Zudem haben die tarifvertraglichen Vereinbarungen bisher dafür gesorgt, dass die Arbeitnehmer Jahr für Jahr besser bezahlt wurden: Man gewöhnte sich nur allzu gerne an die Idee, dass darin ein wohlerworbenes Recht liege, dass die Einkommenszuwächse einem gestiegenen Wert der eigenen Person entsprächen und dass man die Früchte früherer Leistung genießen könnte.
Das Ende lebenslanger Arbeitsverhältnisse
Lebenslange Anstellungen gibt es künftig nicht mehr. Die Welt der Arbeiter und Angestellten löst sich auf. Arbeitgeber rechnen - und greifen lieber auf flexible freie Mitarbeiter zurück. Denn unbefristete Anstellungen bedeuten Urlaubsansprüche, Krankheitsrisiken und Sozialabgaben: 40 Prozent mehr Kosten bei 20 Prozent weniger Leistung, lautet die einfache Faustformel.
Christian Lutz vom Gottlieb-Duttweiler-Institut prophezeite bereits Anfang der 90er Jahre: „Am Ende des Industriezeitalters sind die traditionellen Berufsbilder nicht mehr existent." Bisher klar definierte Arbeitsplätze werden von Maschinen ersetzt, menschliche Arbeitskraft wird nur mehr für kreative Aufgaben benötigt. Durch die zunehmende Komplexität dieser Aufgaben gewinnt die Intelligenz des Menschen an Bedeutung. Höhere Qualifikation allein wird dabei künftig nicht mehr ausschlaggebend sein für Ihren beruflichen Erfolg.
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