Einladung vom Burnout
Guten Tag ich bin der Burnout, ich warte auf Sie. Und ich bin guter Dinge. Sie können mir nämlich nicht entkommen. Irgendwann sind Sie hier. Warum ich so sicher bin?
Sie leben doch in einer Leistungsgesellschaft, oder?
Sie wissen, dass Sie gut sein müssen, und dass die Konkurrenz überall ist. Ihr Eiserner Wille, war mal Ihr Markenzeichen. Leider lässt er immer mehr nach. Sehr gut.
Sie können schon seit einiger Zeit nicht mehr richtig abschalten. Super.
Erschöpft sein, ist mittlerweile was Vertrautes. Bravo.
Natürlich lieben Sie Ihre Arbeit, Ihren Job, Ihr Geschäft. Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen überhaupt. Denn mit Nullbock, Verweigerung und innerer Kündigung hätten Sie bei mir keine Chance, da müssen sie sich drüben im Depressivenlager anstellen. Ich akzeptiere nur Leute, die deshalb zu viel arbeiten, weil Sie gerne arbeiten. Und die dabei ihre privaten Bedürfnisse vernachlässigen. Na gut, wenn Leidenschaft, Libido und Satisfaction nachlassen, das ist ja normal, wenn man lange genug aneinander vorbei lebt. Pardon, ich meine natürlich im Laufrad der Gewohnheiten mit einander immer das gleiche macht. Entspannung ist auch nicht so gut für Sie, oder? Klappt doch sowieso nicht. Die vielen dummen Gedanken. Wie ein Karussell. Man kann einfach nichts
mehr zu enden denken. Schönen Gruß auch. Ganz klar, Sie gehören mir.
Keine Angst ich bin Ihr Freund. Ich werde Sie einfach nur flach legen. Das innere Feuer wird langsam ausbrennen. Sie werden zu nichts mehr Lust und Energie haben. Sanfte Ruhe wartet auf Sie. Na gut so sanft wird es nicht werden. Ein wenig Verzweiflung muss schon sein. Vielleicht hatten Sie im letzten Urlaub ja schon mal ein Schnupperabo. Großer Urlaub, lange Vorfreude, vorher noch richtig gewirbelt, damit alles klappt. Und dann im Urlaub als Sie sich endlich richtig erholen wollten, da kam die Krankheit. Sie lagen plötzlich flach. So schnell konnten Sie gar nicht denken. War natürlich blöd und gab viel Ärger. Aber pünktlich zu Arbeitsbeginn standen Sie doch wieder auf der Matte, oder?
Das war schon mal die halbe Eintrittskarte ins Burnout-Wonderland.
Na gut, da ist früher schon mal einiges schief gegangen. Hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Deshalb haben Sie dann auch ständig dran gedacht, was alles noch schief gehen könnte und wie man sich da gegen schützen kann. Phantastisch. Das war der Joker. Seitdem werde ich in Ihrem Betriebssystem, bei jedem Neustart mit hochgeladen. Ich bin immer für Sie im Hintergrund tätig. Na gut, das frisst Speicherkapazität und Rechenleistung. Ist aber absolut O.K. Weitermachen! Bald sind Sie bei mir. You are Welcome. Sie haben fertig.
Nun müssen Sie sich aber keine Sorgen mehr machen. Ach so, die Sorgen sind immer da. Bravo bravissimo. Lassen sich nicht mehr abschalten. Ist ja auch berechtigt, wo Sie doch bald völlig ausfallen. Na gut Weinkrämpfe und existentielle Grundängste sind kein Zuckerschlecken. Das sind mehr so kleine Höllenqualen. Geht aber nicht mehr anderes. Sie sind ja zielgerichtet darauf zugesteuert. Klar, war das unterbewusst gesteuert. Das macht doch kein gesunder Mensch freiwillig. Natürlich nicht.
O.K. Sie sind in guter Gesellschaft: Matthias Platzeck, Sven Hannawald, Claus Rottenbacher, Sebastian Deisler, David Copperfield, Mariah Carey u.v.a. m.
O.K. das waren Prominente und Manager, aber die Zahl meiner Jünger ist natürlich viel größer. Seitdem diese geheimen Zahlen aus meiner Marketingabteilung bekannt geworden sind, wir zählen mittlerweile jeden 6. Deutschen als gefährdet, ist das Burnout-Syndrom ja sogar als Krankheit anerkannt. Was aus meiner Sicht eine echte Schweinerei ist. Ihr gehört mir. Verstanden? Und nicht den Krankenkassen. Wer falsch lebt, muss dafür die Verantwortung tragen. Also Freunde, weitermachen.
Ihr wisst ja, das wahre Leben findet heutzutage auf der Überholspur statt. Und warum sollen Sie nicht expandieren, jetzt wo es so gut läuft. Warum nicht noch diesen Auftrag annehmen, wenn es gerade so brummt. Endlich mal allen zeigen, was in mir steckt. Familienleben? Hauptsache nach außen stimmt’s!
Interessiert doch keinen, wie es in mir aussieht. Und jeder Tag an dem (noch mal) alles gut gegangen ist, ist ein gewonnener Tag.
Bitte kommt bald zu mir, ich liebe Euch Alle.
Eurer Burn-Out.
Text: Dr. Karl Werner Ehrhardt
» Internet: www.mental-fit.de