Barnum Effekt

Der Barnum-Effekt ist ein Begriff aus der Psychologie. Er bezeichnet die Neigung von Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person so zu interpretieren, dass sie als zutreffende Beschreibung empfunden werden. Dieses psychologische Phänomen wird auch als Forer-Effekt oder Täuschung durch persönliche Validierung bezeichnet.

Der Begriff wurde von Paul Meehl eingeführt und ist nach dem Zirkusgründer Phineas Taylor Barnum benannt. Dieser unterhielt ein großes Kuriositätenkabinett (American Museum), das „jedem Geschmack“ etwas bieten sollte („a little something for everybody“).

Erste Forschungen zu diesem Phänomen fanden jedoch bereits in den 1920er und 1930er Jahren in Deutschland und Frankreich statt. Unter der Bezeichnung „Verifikationsphänomen“ wurden  darwesentliche Aspekte des Barnum-Effekts vorweggenommen.

 Forers Testreihe

Der US-amerikanische Psychologe Bertram R. Forer beschreibt ein 1948 durchgeführtes Experiment, in dem er seine Studenten einen angeblichen Persönlichkeitstest absolvieren ließ. Anschließend händigte er jedem als Auswertung des Tests eine persönliche Charakterbeschreibung aus und forderte sie dazu auf, den Wahrheitsgehalt dieser Auswertung auf einer Skala von 0 bis 5 zu bewerten. Der Durchschnitt lag bei 4,26 Punkten, die Auswertung wurde also mehrheitlich als zutreffend gewertet. Tatsächlich hatte Forer allen Teilnehmern exakt denselben Text als „Ergebnis“ ausgehändigt – und dieser hatte nichts mit dem vorangehenden Test zu tun, sondern war zuvor aus Texten eines am Kiosk erhältlichen Horoskops zusammengestellt worden. Seither wurde der Test – mit dem gleichen Text – oft wiederholt. Der Durchschnittswert lag dabei stets um 4.

Der von Forer vorgelegte Text lautete:

„Sie sind auf die Zuneigung und Bewunderung anderer angewiesen, neigen aber dennoch zu Selbstkritik. Ihre Persönlichkeit weist einige Schwächen auf, die Sie aber im Allgemeinen ausgleichen können. Beträchtliche Fähigkeiten lassen Sie brachliegen, statt sie zu Ihrem Vorteil zu nutzen. Äußerlich diszipliniert und selbstbeherrscht, neigen Sie dazu, sich innerlich ängstlich und unsicher zu fühlen. Mitunter zweifeln Sie stark an der Richtigkeit Ihres Tuns und Ihrer Entscheidungen. Sie bevorzugen ein gewisses Maß an Abwechslung und Veränderung und sind unzufrieden, wenn Sie von Verboten und Beschränkungen eingeengt werden. Sie sind stolz auf Ihr unabhängiges Denken und nehmen anderer Leute Aussagen nicht unbewiesen hin. Doch finden Sie es unklug, sich anderen allzu bereitwillig zu öffnen. Manchmal verhalten Sie sich extrovertiert, leutselig und aufgeschlossen, dann aber auch wieder introvertiert, skeptisch und zurückhaltend. Manche Ihrer Erwartungen sind ziemlich unrealistisch.“

Barnum-Aussagen

Allen Barnum-Aussagen ist gemeinsam, dass es ihnen an Objektivität und Falsifizierbarkeit mangelt. Sie betonen vor allem Aspekte, die allen Menschen gemeinsam sind, oder Eigenschaften, die alle Menschen gerne besitzen würden. Zudem enthalten sie meist ein subjektives Element, das vom Leser unbewusst passend interpretiert wird. Beispielsweise wird die Aussage „Sie gehen nicht gern große Risiken ein“ sowohl von ängstlichen als auch von draufgängerischen Menschen als zutreffend empfunden. Das liegt daran, dass der Begriff „großes Risiko“ nicht klar definiert ist und daher vom Leser subjektiv als „Risiko, das ich nicht gern eingehen würde“ interpretiert wird. Damit trifft die Aussage natürlich immer zu.

Barnum-Aussagen sind beispielsweise in Zeitungshoroskopen enthalten, sodass der US-amerikanische Psychologe Bertram R. Forer bei seinen Testreihen einfach auf Zeitungshoroskope zurückgreifen konnte. Barnum-Aussagen finden auch Verwendung beim Cold Reading und beim Wahrsagen. Die Graphologie wird gleichfalls unter dem Aspekt des Barnum-Effekts betrachtet.

Typische Barnum-Aussagen entstehen unter anderem durch folgende Mittel:

  • Grundängste, die vielen Menschen gemeinsam sind, aber als individuell empfunden werden, weil darüber wenig gesprochen wird. Beispiel: „Für den Schutz Ihrer Kinder würden Sie alles tun.“
  • Weit verbreitete Wünsche, etwa nach einer sicheren Arbeitsstelle, einer gesunden Umwelt oder einem guten Beziehungsleben
  • Aussagen, die zwischen zwei Polen vermitteln; Beispiel: „Sie handeln oft entschlossen, sind aber auch häufig unsicher, wie Sie sich verhalten sollen.“ Die meisten Menschen kennen beides und empfinden daher die Aussage, die keine klare Gewichtung vornimmt, als auf sie zutreffend.
  • Unscharfe Formulierungen wie „Sie neigen zur Faulheit“ finden eher Zustimmung als konkrete wie „Sie haben heute noch nichts geschafft“.
  • Suggerierte Dinge: „Heute könnten Sie jemanden verletzen“ suggeriert eine Falle, und der Leser sucht in der Erinnerung (und findet unter Umständen auch) einen dazu passenden Vorgang, der als Bestätigung gewertet wird – ohne auf den Gedanken zu kommen, ebenso bewusst nach Gegenbeispielen zu suchen.

Gauquelins Serienmörder-Experiment

Der französische Psychologe und Statistiker Michel Gauquelin untersuchte die Barnum-Eigenschaften pauschaler astrologischer Persönlichkeitsprofile. Dabei schickte er 1968 an 150 Personen, die er über ein Zeitungsinserat angeworben hatte, deren „ganz persönliches Horoskop“. Tatsächlich aber erhielt jede Person den gleichen Text, ein Persönlichkeitsprofil, das aus Textbausteinen eines der ersten Astrologie-Programme am Computer generiert wurde, dessen Texte der Astrologe André Barbault verfasst hatte. Zur Erstellung des Horoskops verwendete Gauquelin die Geburtsdaten des Serienmörders Marcel Petiot. Gauquelin bat die Versuchspersonen dann um die Beantwortung mehrerer Fragen, darunter der, ob sie in diesem Profil sich und ihre persönlichen Probleme wiedererkennen würden. 94 % der 150 Versuchspersonen bejahten diese Frage, 90 % fanden die Beschreibung sehr passend.

Text Wikipedia