Die Geschichte von Greg Lemond

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Was Willenskraft bedeutet

23. Juli 1989: Ein junger Mann auf einem Fahrrad rast auf Frankreichs Straßen. Er hat nur eines im Sinn: so schnell wie möglich nach Paris zu kommen.

Sein Name ist Greg LeMond. In der letzten Etappe der Tour de France, dem berühmtesten Radrennen der Welt, bietet Greg LeMond aus Wayzata, Minnesota, eine der herausragendsten Leistungen in der Geschichte des Sports.
Tun Sie einen Augenblick lang so, als wären Sie dort mit ihm. Versuchen Sie sich vorzustellen, was er empfindet: Schmerz, Erschöpfung, vielleicht Zweifel, ob er die Aufgabe erfolgreich zu Ende bringen wird, doch gleichzeitig eine unerschütterliche Entschlossenheit, sein Letztes zu geben. Bitte versetzen Sie sich mit Ihrer Vorstellungskraft, so gut es geht, in Greg LeMonds Lage bei diesem Rennen.
Es ist überaus wichtig, dass Sie dies tun, denn Sie und wir alle, die Teil der modernen Welt sind, stehen heute vor einer sehr ähnlichen Situation wie Greg LeMond im Jahre 1989. Dabei ist es unerheblich, ob Sie einem großen Unternehmen angehören, selbst ein Geschäft betreiben oder Ihren Lebensunterhalt im Verkauf und Marketing verdienen.

Sie wollen für sich selbst und für Ihre Familie ein gutes Leben aufbauen. Sie sind entschlossen, für die Ausbildung Ihrer Kinder, für lhren eigenen Ruhestand und für all die Dinge, die Sie jetzt sofort tun wollen, zu sorgen. Aber Sie leben in einem globalen Dorf, in dem Wettbewerb, Wandel und Komplexität mit einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit zunehmen. Täglich passiert Unerwartetes. Zwar bieten sich immer noch Chancen, aber Sie werden sich anders dafür vorbereiten, gründlicher trainieren, intelligenter und proaktiver handeln und künftige Trends vorhersehen müssen. Sie werden diese Trends selbst auslösen müssen.

Stellen Sie sich nun mal folgendes vor:

LeMond startet mit fünfzig Sekunden Rückstand hinter dem Favoriten, dem Franzosen Laurent Fignon. Die letzte Etappe ist nur vierundzwanzig Kilometer lang- zu kurz für LeMond, um Fignon noch einzuholen. Die Franzosen feiern bereits. Fignon ist der sichere Sieger. So sagen es zumindest die Experten.
Doch die Experten können nicht in den Kopf und das Herz von Greg LeMond hineinsehen.

Bereit sein, den Preis zu bezahlen

Die Experten können nicht seinen glühenden Wunsch oder seine Bereitschaft sehen, den Preis für den Sieg zu zahlen. Die Experten schreiben Greg LeMond ab, doch er selbst gibt nicht auf. Weil er nämlich bereits etwas viel Bedeutenderes überstanden hat als nur fünfzig Sekunden Rückstand in einem Radrennen: den schlimmsten aller Kämpfe, den Kampf ums Überleben.
Greg LeMond rast in Richtung Paris mit dreißig Schrotkugeln im Körper. Zwei davon in seinem Herzen.
Im April 1987 unternahm Greg LeMond zusammen mit seinem Onkel und seinem Schwager einen Jagdausflug bei einer Ranch nahe Lincoln in Kalifornien. Im Wald trennten sie sich. Weil sie sich gegenseitig nicht sehen konnten, geschah ein Unglück. Ein Gewehrschuß durchbrach die Stille, sechzig Schrotkugeln trafen Greg LeMond am Rücken und seitlich. Sein Schwager hatte versehentlich auf ihn geschossen.
Greg dachte, er würde sterben, doch ein Hubschrauber rettete ihn. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und überlebte irgendwie. Er erlitt die schlimmsten Schmerzen seines Lebens, aber er schaffte es…
… Er erholte sich nicht nur, sondern fuhr auch wieder Radrennen, obwohl dreißig dieser Schrotkugeln noch immer in seinem Körper steckten.

Willenskraft und Fokus

Der Weg zurück zu einer Spitzenposition war brutal und voller Strapazen. Er war so hart, dass Greg LeMond einmal fast aufgab. Im Jahr des Unfalls musste er erneut ins Krankenhaus, dieses Mal wegen einer Blinddarmoperation. Nachdem er fast 12 Monate lang fast völlig außer Gefecht gesetzt war, zog er sich im darauf folgenden Jahr eine Sehnenverletzung zu, die operiert werden mußte, so dass er nochmals fast einen ganzen Sommer lang kein Rennen fahren konnte. Doch Champions sind aus besonderem Holz geschnitzt, und Greg LeMond blieb am Ball. Und das zahlt sich an jenem warmen Julitag aus.
Plötzlich fährt LeMond immer schneller. Niemand glaubt, was sich da abspielt. So schnell kann man den Rückstand nicht aufholen. Aber er tut es. Seine Konzentration nimmt ihn völlig in Anspruch. Er kontrolliert weder seine eigene noch Fignons Zeit. Statt dessen konzentriert er sich ganz auf das, was er tut, und erkämpft durch Willenskraft seinen Sieg.
Jetzt ist er in Paris. Er fährt die Champs-Elyssées hinauf und am Triumphbogen vorbei …

Er pumpt, er kämpft um jede Sekunde, die er aufholen kann. Er rast über die Ziellinie …
Und Greg LeMond gewinnt die Tour de France um eine knappe Fahrradlänge.

Auszug aus: “Nur wer handelt kann gewinnen” von Denis Waitley

 

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