Tagebuchschreiben für die Seele

Eins der wertvollsten Geschenke das Du Dir machen kannst

Du hast für dich bereits erkannt, dass dein Leben es wert ist aufgeschrieben zu werden?  Falls dem noch nicht so ist, Will ich dir mit dem nachfolgende Beitrag eine Vielzahl hoffentlich überzeugender Argumenten liefern, wie und warum ein Tagebuch zu führen zu einer wirklich lebensverändernden Erfahrung für dich werden kann. Ein Tagebuch zu schreiben ist ebenso wie Lesen nicht etwa verschwendete Zeit, sondern vielmehr eines der wertvollsten Geschenke, die Du dir selbst machen kannst. Ein Tagebuch zu führen ist ein ideales Instrument der Selbstreflektion, Selbsterkenntnis und Selbstentwicklung.

„Das Gedächtnis ist das Tagebuch, das wir immer mit uns herumtragen.“
—  Oscar Wilde irischer Schriftsteller 1854 – 1900

Warum Du ein Tagebuch schreiben solltest!

Zahlreiche Studien aus aller Welt haben  zwischenzeitlich bewiesen, dass das sogenannte expressive Schreiben als eine der wirkungsvollsten Techniken der Selbsthilfe zu betrachten ist. Belastende oder traumatische Erlebnisse in Worte zu fassen kann nicht nur deiner Seele helfen, sondern auch deine Gesundheit fördern. Das Schreiben steigert dein Immunsystem, wirkt unterstützend bei der Bewältigung von Erkrankungen und vermag sogar melancholische Phasen zu lindern.

„Es ist erstaunlich, wie sehr man ein solches Buch als Freund empfindet – wie man ihm alles sagen und klagen kann, wie man über seine Blätter die Tränen weinen kann, die man den anderen, besonders einem geliebten Kranken, verbergen muss.-Bertha von Suttner

So verwundert es nicht wirklich, dass in Deutschland bereits seit geraumer Zeit Kurse angeboten werden, in denen Du lernen kannst, dir deine Gefühle und Gedanken von der Seele zu schreiben. Ein entsprechendes online-Angebot wirst Du in Kürze auch bei uns finden. Es wird dir ermöglichen, dir den wirklichen Benefit des Tagebuchschreibens zu erschliessen.

Vom Nutzen ein Tagebuch zu führen

Wenn du ein Tagebuch schreibst, entwickelst Du nicht nur deine Kreativität, sondern verbesserst auch deine Rollenübernahmefähigkeiten. Auch das ist übrigens wissenschaftlich belegt. Das tägliche Aufschreiben deiner Gefühle hat positive Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele. In einem Tagebuch schreibst Du ganz Persönliches und Intimes über deine Gedanken, Gefühle und dein Leben nieder. Dabei erfährst Du mit zunehmender Dauer immer mehr über dich selbst, deine Stärken, aber auch Schwächen, die wir liebevoll mal Herausforderungen oder Wachstumschancen nennen wollen. Du wirst Dir so immer mehr deiner dir bislang “blinden Flecken” bewusst.

Tagebuch schreiben fördert Selbstverständnis und Selbstliebe

Dich dabei auch mit dir vielleicht unangenehmen Wahrheiten zu konfrontieren, sie nicht länger zu leugnen, stärkt nicht nur deine Fähigkeit zur Selbstannahme und Selbstakzeptanz, sondern fördert auch aktiv den Prozess der Selbstliebe und damit dein Selbstbewusstsein.

Indem Du das festhältst, was Du erlebst, was dich berührt und beschäftigt, was dich besorgt oder traurig macht, dich ängstigt, aber auch erfreut, motiviert und begeistert, wirst Du dir deiner wahren Empfindungen, Motive und Werte immer bewusster.

„Die Angst ließ sich durchs Schreiben zähmen“
-Herta Müller, Literaturnobelpreisträgerin-

Mit einem gewissen zeitlichen Abstand wirst Du Ereignisse und Begegnungen in ihrer wirklichen Bedeutung für dein Leben sehr viel realistischer einschätzen. So kannst Du den Nutzen für deine persönliche Weiterentwicklung erst richtig verstehen.

Ein Tagebuch hilft Dir bei der Krisenbewältigung

In schwierigen Zeiten oder bei persönlichen Krisen kann dir dein Tagebuch ein sehr großer Helfer sein, dem Du alles anvertrauen kannst. Du schreibst dir sprichwörtlich einfach alles von der Seele. So läufst Du nie Gefahr, dass du unverstanden bleibst oder dich von einem anderen Menschen missverstanden fühlst. Du bringst das was Du empfindest einfach durch niedergeschrieben Worte zum Ausdruck. Dabei spürst die Erleichterung auch wenn es Dinge sind, die dir in diesem Moment vielleicht nicht leichtfallen und unter Umständen sogar emotionalen Schmerz verursachen.

Schreiben ist ein kreativer und schöpferischer Prozess. Er kann für dich zu einer gewinnbringenden und bereichernden Erfahrung werden.

Tagebuch schreiben fördert deine Gesundheit

James Pennebaker, Psychologe an der University of Texas, so etwas wie der „Urvater“ der Tagebuchforschung hat schon in den 90-er Jahren die Wirkung des Schreibens eines Tagebuches wissenschaftlich untersucht. Er startete seine Untersuchungen  mit 50 amerikanischen Studenten. Alles Menschen wie Du und ich –die jedoch neben ganz normalen Erlebnissen zum Teil auch schon dramatische Erfahrungen in ihrem Leben (durch)machen mussten. So reichte die Bandbreite von schweren Unfällen über den tragischen Verlust ihnen nahestehender Menschen bis hin zu erlebtem Missbrauch im Familienkreis. Die Studenten schrieben täglich jeweils eine Viertelstunde lang ihre tiefsten Gefühle und Gedanken in einem Tagebuch nieder. Und obwohl sie das wirklich emotional berührte und sie zum Teil Tränen des Schmerzes dabei vergossen, hörten sie nicht auf zu schreiben. Dabei fühlten sie sich schon bald nicht nur signifikant besser als eine Kontrollgruppe, die sich lediglich mit banalen Inhalten beschäftigte, sondern entwickelten auch ein deutlich besseres Immunsystem. Pennebaker folgerte daraus als erster Wissenschaftler, dass das Niederschreiben von Ängsten, Sorgen und Nöten, Körper und Seele widerstandsfähiger macht. Schon lange vor seinen Forschungen erkannten Menschen jedoch intuitiv die Heilkraft selbst geschriebener Worte. Viele Tagebücher haben ihren Verfassern bei der Bewältigung wirklicher existenzieller Probleme geholfen. Einige von ihnen haben Weltberühmtheit erlangt. Ein Paradebeispiel dafür ist Das Tagebuch der Anne Frank.

Niemand, der nicht schreibt, weiß, wie fein es ist, zu schreiben. Früher habe ich immer bedauert, nicht gut zeichnen zu können, aber nun bin ich überglücklich, dass ich wenigstens schreiben kann. Und wenn ich nicht genug Talent habe, um Zeitungsartikel oder Bücher zu schreiben, gut, dann kann ich es immer noch für mich selbst tun.Anne Frank

Was solltest Du in dein Tagebuch schreiben?

Wenn Du bislang noch nie ein Tagebuch geführt hast, bist Du dir vielleicht noch nicht so wirklich im Klaren, worüber Du eigentlich schreiben sollst. Eine Antwort auf diese Frage zu finden ist jedoch ganz einfach: Über genau das, was dich wirklich beschäftigt und für dich (und nicht für andere) aktuell von Bedeutung ist!

So kannst Du festhalten

  • was du denkst,
  • wie du dich momentan fühlst,
  • was du von anderen Menschen (über Dich) gelernt hast
  • weshalb du das glaubst, was du glaubst
  • warum du es glaubst
  • was du hoffst,
  • was du dir erträumst
  • welche Ziele du hast
  • welche Werte dich leiten
  • welchen Herausforderungen Du dich gegenübersiehst
  • was dich wirklich glücklich macht
  • wofür du in deinem Leben dankbar bist
  • auf welche deiner Leistungen du stolz bist
  • was du in deinem Leben ändern möchtest,
  • wie Du dich persönlich weiterzuentwickeln beabsichtigst
  • warum dir unter Umständen an der momentanen Lage etwas missfällt
  • weshalb du Dinge ablehnst, ohne sie zu kennen
  • was dich prägende Erfahrungen und Begegnungen waren

Auf den Punkt gebracht: Du kannst über nahezu alles schreiben! Du brauchst nichts zurückhalten, für unwichtig oder gar belanglos erachten. Deine Niederschriften sind Ausdruck deines momentanen Lebensgefühls, Reflexionen deiner wahren Emotionen und damit auch deiner Persönlichkeit. Nichts muss dir peinlich sein. Dein Tagebuch ist etwas Einzigartiges, so wie du und dein Leben es auch sind. Es wird dich  überraschen, wenn Du mit etwas zeitlichem Abstand alte Tagebucheinträge noch einmal liest. Du wirst über Dinge lachen können, bei denen es dir einmal zum Weinen zumute war. Es wird dir möglich, Momente der Freude noch einmal nachempfinden zu können. Es wird dir möglich, Dinge, Ereignisse und Menschen im Kontext deiner zwischenzeitlich neuen Lebenserfahrungen mit anderen Augen sehen.

Wie Du am besten dein Tagebuch schreibst

Ein Tagebuch von wahrem Wert enthält unter idealen Umständen das persönlichste und intimste, was du von dir preisgeben kannst. Dinge, über die Du mit niemanden sprechen kannst oder Willst. Daher sind seine Inhalte auch nicht unbedingt für andere (auch dir nahestehende) Menschen bestimmt. Damit sollte (d)ein Tagebuch ein ganz privates Dokument sein! Du wirst niemals wirklich ehrlich zu dir selbst sein, wenn du Angst hast, dass noch ein anderer Mensch Inhalte lesen könnte, die ihn und seine Gefühle vielleicht verletzen. Deshalb: Du schreibst dein Tagebuch nur für dich! Die Sache mit der Vertraulichkeit ist übrigens ziemlich wichtig. Selbst wenn du niemandem in deiner Umgebung verdächtigst, heimlich in deinem Tagebuch zu lesen, solltest du dich im eigenen Interesse bei einer papiergebundenen Version für eine mit Schloss entscheiden. Auch ein abschließbarer Ort ist eine, wenngleich auch nicht wirklich befriedigende Lösung. Denn so hast Du nicht die Möglichkeit spontan Dinge festzuhalten, die dir unterwegs in den Sinn kommen. Insofern solltest Du eine appVersion für dich durchaus einmal ernsthaft in Betracht ziehen. Sie hat zudem den Vorteil, dass Du deinen verschwiegenen und „verständnisvollen“ Begleiter wirklich immer an deiner Seite weißt.

Eine hilfreiche Übersicht möglicher Tagebuch-apps findest Du hier

Eine Tagebuch mit 6min täglichem Zeitaufwand?

Einer immensen Beliebtheit bei den Tagebüchern erfreut sich im Moment „Das 6-Minuten Tagebuch“ von Dominik Spenst, welches ich selbst auch mein eigen nenne. Um nur eins an dieser Stelle klar zustellen. Dieses Buch, das nach eigener Aussage dein Leben verändert ist kein Tagebuch im klassischen Sinne. Es handelt sich vielmehr um so etwas wie ein Dankbarkeitstagebuch, das dich dabei unterstützt, deinen Focus auf die positiven Seiten deines Lebens zu richten. Gewissermaßen handelt es sich um ein Programm des positiven Denkens, welches dir auch bei der Verfolgung deiner selbstgesteckten Ziele wertvolle Dienste leisten kann.

„Es hilft dir dabei, das Hier und Jetzt vollumfassend schätzen zu lernen. DU erfährst wie Dankbarkeit dich glücklicher machen kann und erhältst eine Plattform, auf der Du tägliche Dankbarkeit praktizieren kannst-Dominik Spenst

Damit ist es durchaus ein sehr sinnvolles und auch wertvolles Instrument. Es kann dir auch den Einstieg in die Gewohnheit des Tagebuchschreibens  erleichtern. Nichtsdestotrotz: um dich selbst, deine wahren Gedanken und Gefühle und die dich wirklich bewegenden magischen Momente deines Lebens festzuhalten genügt es (alleine) nicht.

Wie Du den Wert deines Tagebuchs für dich immens steigerst

Dinge von wirklicher Bedeutung für dich im Tagebuch aufschreiben: Es muss nichts von literarischer oder philosophischer Tiefe sein, was Du aufschreibst. Wenn du dich aber inhaltlich nur mit Belanglosigkeiten beschäftigst, solltest du vielleicht einmal darüber nachdenken, ob dich das wirklich in deiner Persönlichkeitsentwicklung voranbringt, oder ob Du dein Tagebuch lediglich als ein Instrument zur Verdrängung gebrauchst.

Berührende oder emotional belastende Ereignisse  niederschreibend verarbeiten:

Beachtung bringt Verstärkung heißt ein therapeutischer Grundsatz. Das gilt jedoch nicht für die Verarbeitung von dir Sorgen, Ängste und Nöte verursachenden Ereignissen und dich emotional belastenden Situationen. Das Gegenteil ist der Fall. Du verdrängst diese Dinge nicht, sondern lernst sie anzunehmen und konstruktiv zu bewältigen. Sehr hilfreich dabei kann dir auch die Technik „the work“ sein, die dir hilft, deine Gedanken auf den Prüfstand zu stellen und sie umzukehren. Leider ist es nicht immer möglich, sich von etwas wirklich Aufwühlendem durch nur einmaliges Niederschreiben zu befreien. Betrachte Situationen auch aus dem Blickwinkel anderer Beteiligter. Verarbeite belastende Situationen durch eine Kurzgeschichte oder einen ganz sachlichen, objektiven Bericht aus der Sicht einer unbeteiligten, neutralen dritten Person. Du wirst merken, dass du dadurch Abstand gewinnst, der es dir erleichtert mit der Situation zurechtzukommen.

Ein Tagebuch unterstützt dich in Konsequenz und Disziplin

Wenn Du für die Zeitdauer von mindestens 66 aufeinanderfolgenden Tagen ein Tagebuch geführt hast, hast Du einen verständnisvollen Freund gewonnen, der stets „ein offenes Ohr“ für dich hat. Er kann und will dich im Gegensatz zu vielen anderen wirklich verstehen. Er wird von nun an dein fester Wegbegleiter sein.