You light up my life

Die bemerkenswerte Geschichte der Kasey Cysik

Die Originalstimme von You light up my life
„You Light Up My Life“

Wir schreiben das Jahr 1977.  Joe Brooks produziert in den USA einen Film namens „You light up my life“ und schreibt auch die Filmsongs dazu. Die Geschichte des Films ist schnell erzählt. Es geht um eine junge Frau namens Laurie (Didi Conn), die von Kindheit auf mit ihrem Vater, einem zweitklassigen Komiker, in Fernsehshows für Kinder auftritt. Während es der Wunsch ihres Vater Si (Joe Silver) ist, dass sie in seine Fußstapfen tritt, träumt sie davon als Sängerin Karriere zu machen. Lange Zeit versucht Laurie, dem Willen ihres Vaters zu genügen, doch ihre Bestimmung ist eine ganz andere. Auch ihr Verlobter Ken versteht ihren wahren Ruf nicht. So verlässt sie beide und begegnet auf ihrem Heldenweg Chris (Michael Zaslow), der – wie sich erst später herausstellt – als Regisseur in der Traumfabrik Hollywood arbeitet. Damit öffnet sich für Laurie die Tür zum Showgeschäft und die Erfüllung ihres langgehegten Traums beginnt.

Der Film, der noch im Jahr seiner Produktion 1977 unter dem Titel „Der Stern meines Lebens“ auch in die deutschen Kinos kam, wurde niemals zu einem kommerziellen Erfolg und geriet sehr schnell wieder in Vergessenheit. Nicht so sein Titelsong „You light um my life“. Da dieser Song aus ganz unterschiedlichen Gründen eine ganz besondere Bedeutung für mich besitzt, bin ich seiner Geschichte auf den Grund gegangen. Dabei stieß ich nicht nur auf bewegende Geschichte eines bewegenden Liedes, sondern auch auf die einer sehr bemerkenswerten Frau.

 

Hier ist sie:
Da die Hauptdarstellerin des Filmes Didi Conn nicht singen konnte, sang den Titelsong eine vielen bis heute unbekannte Sängerin namens Kasey Cisyk. (auf ihrer Internetseite wird ihr Künstlerame mit c geschrieben, was aber eigentlich irrelevant ist, da ihr richtiger Name Kvitka lautet). Brooks, Produzent und Songwriter der Filmmusik, der mit Kacey bereits viele Werbespots produziert hatte, wusste, dass sie die perfekte Stimme für seinen Film sein würde. So beauftragte er sie, „Demos“ für ihn einzusingen. Dazu buchte er die A & R-Studios, um mit dem berühmten britischen Toningenieur Malcolm Addey (der auch für die Beatles und viele andere bekannte Musiker produziert hatte) die Tapes aufzunehmen. Die Originalaufnahmen beinhalteten ausschließlich Kvitkas Gesang mit Klavierbegleitung. Sie stand neben dem Klavier im Studio, las die Noten und den Text von „You Light Up My Life“, sowie 5 weiterer Songs und sang sie anschließend nacheinander im Erstversuch ein.

Brooks, der in diesem Moment vielleicht noch nicht ahnen konnte, welcher Erfolg ihm zu Teil werden sollte, wusste sehr wohl, dass er sprichwörtlich eine Goldquelle aufgetan hatte. So beschloss er die Klavierbegleitung um weitere Tonspuren mit Orchesterbegleitung zu ergänzen, um ein monumentales Werk zu schaffen. Seine Strategie ging auf. Der Titelsong: „You Light Up My Life“ gewann den Oscar, sowie den Golden Globe Award für den „Besten Filmsong“. Außerdem erhielt er den Grammy Award für den „Song des Jahres“.

Obwohl Kacey Gewerkschaftsmitglied war, verweigerte Brooks Kacey skrupellos jedwede Zahlung. Durch falsche Versprechungen hielt er sie immer wieder hin. So bot er ihr eine Nebenrolle in seinem Film an. Er stellte ihr tolle Einkunftsmöglichkeiten in Aussicht. Für die Dreharbeiten zu den Studioszenen, in denen sie auftreten sollte, flog Kacey nach Los Angeles. Sie war fasziniert vom Glamour Hollywoods, dem Lebensstil und träumte den Traum ihres großen Durchbruchs. Sie würde eine Studio-Sängerin darstellen, deren Leben sie ja selbst lebte. Nach Abschluss der Dreharbeiten bat Brooks um ein Treffen mit ihr. Brooks erzählte ihr die fantastischsten Dinge, die er für sie und ihre Karriere tun würde. Er bot ihr eine Rolle Teilnahme in seinem nächsten Film an. Als sie nach der Bezahlung  für die bereits geleistete Arbeit fragte, wiegelte er ab. Er machte ihr eindeutig zweideutige Angebote, die Kacey ablehnte. Von ihr zurückgewiesen zu werden, machte ihn so wütend, dass er ihr sogar drohte. Irgendwann redete er einfach überhaupt nicht mehr mit ihr. So erhielt sie zunächst nicht einen Dollar für all die Arbeit, die sie für ihren Gesang und die Schauspielerei in seinem Film investiert hatte.

Und doch sollte „You light up my Life“ der Beginn einer Weltkarriere sein. Aber nicht für Kvitk Cisyk, sondern für Debbie Boon. Wie kann das sein? Nun, nicht schlimm genug, dass Cisyks Name noch nicht einmal im Abspann des Films genannt wird. Nein, die Geschichte ist noch sehr viel tragischer, so wie eigentlich das gesamte Leben von „Kasey“. Den Ruhm und das Geld strichen andere ein.
Plattenboss Mike Curb hörte den Song „You light up my life“ und erkannte sofort sein kommerzielles Potential. Doch das realisierte er nicht mit einer ukrainischen Werbejinglesängerin. So besorgt er sich von Brooks die Instrumentalfassung und schickte damit eine Deborah Ann, besser bekannt als Debbie Boone ins Studio.

Sie ist die Tochter von Pat Boone, einem der populärsten amerikanischen Musiker der 50-er Jahre („April Love“). Aufgewachsen in einem erzkonservativen Elternhaus hatte sie es als Kind nicht wirklich immer leicht. Das änderte sich zunächst auch noch nicht, als sie nach der Highschool mit ihren Schwestern die Boones gründet, ein ziemlich erfolgloses Gospel-Quartett. Doch „You light up my life“ wird sprichwörtlich zum Stern ihres Lebens. Er wird Amerikas erfolgreichste Single der 70er und verkauft sich weltweit rund fünf Millionen Mal. Der Erfolg einer der erfolgreichsten Countrysängerinnen der Welt basiert also auf einer (aus meiner subjektiven Sicht nur mäßig) gecoverten Version eines Liedes, die an die Originalversion von Kasey Cisyk nicht annähernd heranreicht.
Das Lied aus der Feder Brooks wurde 1977 mit dem Grammy „Song of the Year“ (in Verbindung mit „Love Theme“ aus „A Star Is Born“ (Evergreen), sowie mit dem „Best Original Song“ -Preis bei den Golden Globe and Academy Awards 1977 ausgezeichnet.

Soundtrack with the original Voice of Kacey Cysik

Obwohl Brooks einen Grammy und einen Oscar für „You Light Up My Life“ erhielt, wurde der Gesang dem „Original Cast“ und nicht seiner wahren Interpretin zugeschrieben. Cisyk selbst wurde mit keinem einzigen Wort erwähnt! Wenn Du dir den Film „You Light Up My Life“ anschaust, wirst Du im Abspann vergeblich nach einer Namensnennung von ihr suchen. Somit ist es nicht weiter verwunderlich, dass die meisten Menschen die Originalversion immer noch Didi Conn oder auch Debby Boon zuschreiben. Was aber wurde aus Kasey Cisyk, der eigentlichen Stimme von „You light up my life“? Kacey nahm sich einen einen Anwalt und verklagte Brooks wegen der Honorare, die sie für ihre Arbeit an der Platte und im Film nie erhalten hatte. Da Brooks aber am längeren Hebel saß, ließ sie sich schließlich auf ein mageres Vergleichsangebot ein, um sich einen nervenzehrenden und langwierigen Rechtsstreit mit Brooks zu ersparen.

Obwohl es Kvitka in ihrem Heimatland, der Ukraine, zu einem großen Bekanntheitsgrad brachte, war ihr ein internationaler Durchbruch nie vergönnt. Weltweit Milliarden Menschen haben ihre Stimme in ihren unzähligen Werbesongs gehört. Doch nur die wenigsten wissen, wer sich dahinter verbarg. Als meinen bescheidenen Beitrag der Wertschätzung und Anerkennung ihres künstlerischen Schaffens nachfolgend ein paar Einzelheiten ihres Lebens, dass nur wenige Tage vor ihrem 45. Geburtstag durch Krebstod ein viel zu frühes Ende fand.

Cisyk war die Tochter zweier ukrainischer Einwanderer. Ihr Vorname, Kvitka, ist ukrainisch und bedeutet soviel wie „Blume“. Ihr Vater, Volodymyr Cisyk, war ein bekannter ukrainischer Konzertviolinist und Lehrer. Er unterrichtete seine Tochter bereits im Alter von 5 Jahren in Violine und bereitete sie systematisch auf eine angestrebte Karriere als klassische Musikerin vor.

Cisyk besuchte die High School für Musik und Kunst in New York City und machte 1970 ihren Abschluss. Sie besuchte nach ihrem High School Abschluss für ein Jahr das Harpur College, auch bekannt als SUNY Binghamton. Dort unterrichtete ihre Schwester Klavier. Im Sommer 1971 besuchte sie ein von SUNY gesponsertes Opernprogramm in Gent, Belgien. Sie erhielt ein Violinenstipendium am Mannes College of Music, wechselte aber nach Abschluss zur klassischen Gesangsausbildung. Cisyks Ziel war eine Karriere als Opernsängerin. Doch nach dem Tod ihres Vaters stand ihre Familie ohne Einkommen da. Um schnell Geld zu verdienen, begann Cisyk als Session-Sängerin Popmusik zu machen. Sie zog ihren Berufsnamen (Kasey) aus ihren ersten und letzten Initialen.

Cisyk sang in Clubs, während ihr Mann Produzenten und Werbeagenturen Tonbänder vorlegte. So wurde sie zur Backgroundsängerin und arbeitete u.a. für Carly Simon und Michael Franks sowie für Künstler, die von Quincy Jones produziert wurden.
Cisyk bestritt ihren Lebensunterhalt als Sängerin von in Fernseh- und Radiowerbung verwendeten Jingles. Cisyks Aufnahme des Slogans „Haben Sie in letzter Zeit einen Ford gefahren?“ wurde von 1981 bis 1998 in Ford-Werbespots eingesetzt. Nach Schätzungen des Ford Managements aus dem Jahr 1989 wurden Cisyks Aufnahme dieses Satzes weltweit von mehreren Milliarden Menschen gehört.
Neben Ford sang Cisyk auch für die Autohersteller General Motors und Toyota. Sie nahm Songs für die drei nationalen Fernsehsender der 1980er Jahre (ABC, NBC und CBS), für vier große Fluggesellschaften (American, Delta, Eastern und TWA), für zwei nationale Einzelhändler Sears und JC Penney, sowie für die beiden beliebtesten Erfrischungsgetränkehesteller Cola und Pepsi(co)auf. Cisyk sang für McDonalds genauso wie für Burger King. Cisyk nahm auch Lead-Vocals für die Soundtracks der Filme „The One and Only“ und „Circle of Two“ auf. Sie steuerte zudem den Hintergrundgesang zu den Liedern von Carly Simon bei, die für den Soundtrack des Films „Working Girl“ verwendet wurden. Reich oder bekannt wurde sie damit jedoch nicht wirklich.

Die Originalstimme von You light up my life

Als Tochter ukrainischer Einwanderer in den USA geboren, wuchs Cisyk mit der, Musik ihrer Eltern auf und wurde im ukrainischen Sprachraum auch mit zwei Alben in Landessprache bekannt. 1980 nahm sie ihr erstes Album, „Kvitka, Songs of Ukraine“ auf, das 1988 bei den Ukrainian Music Awards ausgezeichnet wurde. Ihr zweites Album, Kvitka, Two Colours, erschien 1989 und widmete sich „dem Geist der ukrainischen Seele, deren Flügel niemals gebrochen werden können“. Heute sind in der Ukraine immer noch Songs aus beiden Alben im Radio zu hören. Beide Alben wurden für einen Grammy Award als bestes zeitgenössisches Folk-Album nominiert. Sowohl Songs of Ukraine als auch Two Colors waren Familienprojekte. Cisyks zweiter Ehemann, Ed Rakowicz, ein Toningenieur, produzierte sie. Ihr erster Ehemann, Jack Cortner, arrangierte und dirigierte. Ihre Schwester Maria Cisyk, eine Konzertpianistin und Lehrerin, spielte die Klaviersolos. Ihre Mutter Ivanna sorgte dafür, dass ihre ukrainische Aussprache perfekt war.

Als die Ukraine 1991 die Unabhängigkeit erklärte, plante sie eine Reihe von Konzerten im Heimatland ihrer Eltern. Dieser Wunsch ging leider nie mehr in Erfüllung. 1992 wurde bei Kacey Brustkrebs diagnostiziert. Mit unvorstellbarer Kraft und Energie kämpfte sie,w um so lange wie möglich für ihren Sohn Eddie da sein zu können. Kvitka Cysik starb am 29. März 1998, fünf Tage vor ihrem 45. Geburtstag, im Kreise ihrer Familie in New York City. Ihr Sohn war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 7 Jahre alt.

In der Ukraine wurden das Geburtshaus ihrer Mutter, eine Hauptstraße und ein Park nach Kvitka Cisyk benannt. In den USA und in der Ukraine finden jedes Jahr Gedenkfeiern zu ihrem Todestag und Geburtstag statt. Im Juni 2013 ernannte das ukrainische Parlament einen „Kvitka-Cisyk-Tag“. Damit erklärte man sie zu einer kulturellen Ikone und ehrte sie als eine der beliebtesten Gesangskünstler in der Ukraine. Kvitka ist nach wie vor einer der meistgehörten ukrainischen Künstler in der ganzen Welt. Mit ihrem Album „Kvitka- Two Colors“, in dem Sie den Geist der ukrainischen Seele, deren Flügel niemals gebrochen werden können, besingt, sowie ihrer Orginalversion von „you light um my life“ hat sie sich unsterblich gemacht.